• Die Post ist abgegangen - Erstes Fazit

Die Post ist abgegangen - Erstes Fazit

26.11.2020

Ende September sind die letzten Verfügungen mit den neuen Amtlichen Werten versandt worden. Wer keine erhalten hat, soll bei der Gemeinde, wo sich die Liegenschaft befindet, nachfragen. Bei einzelnen Liegenschaften, die noch mit Augenschein geschätzt werden müssen, verzögert sich die Eröffnung.

Amtliche Neubewertung:
Erstes Fazit

 Mit wenigen Ausnahmen sind die Verfügungen mit den neuen amtlichen Werten bis Ende September 2020 den Eigentümern zugestellt worden. In Einzelfällen steht eine Eröffnung noch aus, weil eine eingehende Prüfung des Wertes erst aufgrund eines Augenscheins vorgenommen wird. So ist es auch dem Sekretär passiert. Er wurde unruhig, als er keine Post bekam und sorgte sich, dass er den Brief der Steuerverwaltung möglicherweise übersehen hatte – denn zugestellt wurde mit einfacher Massen-B-Post und nicht, wie in der Broschüre des HEV angekündigt, mit A+-Post, die in der täglichen «Postbeige» etwas mehr aufgefallen wäre. Die Rückfrage bei der Gemeinde ergab, dass für die zuletzt im Jahr 1987 «besuchte» Liegenschaft nach beinahe 30 Jahren ein Augenschein eines Experten nötig sei, der aber vermutlich erst im kommenden Jahr stattfinden werde.

Im Grossen Ganzen «im Hick» ...

Die eigenen Wahrnehmungen und die Rückmeldungen aus den Sektionen lässt darauf schliessen, dass sich ein grosser Teil der neuen Werte um den angestrebten Zielwert von 70% des effektiv erzielbaren Verkehrswertes bewegt. Wie viele Einsprachen bei der Steuerverwaltung eingegangen sind, ist zurzeit unbekannt. Bekannt ist einzig, dass deren Erledigung sich bis weit ins kommende Jahr hineinziehen wird. da in vielen Fällen ein Augenschein nötig wird.

... ausser im Oberland

Aus dem Saanenland und anderen Oberländer Regionen haben uns teils geharnischte Mails und Briefe erreicht. Die amtlichen Werte in der Grossgemeinde Saanen wurden durchschnittlich um 150%(!) erhöht. Tatsächlich gibt es Indizien, dass dort und in anderen Gemeinden mit einem hohen Anteil an Zweitwohnungen das Fuder überladen wurde, indem unberücksichtigt blieb, dass die Erstwohnungen der einheimischen Bevölkerung nicht über den gleichen Leisten geschlagen werden dürfen, wie die zu weit höheren Preisen gehandelten Zweitwohnungen vermögender Unter- und Ausländer. Der Umstand, dass die Eigenmietwerte in Saanen weniger als die Hälfte des sog. Protokollmietwertes ausmachen, lässt – zumindest bei Erstwohnungen – vermuten, dass die Bewertung, welche den Ertragswert zu berücksichtigen hat, systematisch zu hoch sein könnte. Dass der Gesamtwert aller Liegenschaften in Saanen höher sein könnte, als derjenige aller Liegenschaften in der ganzen Stadt Thun lässt ebenfalls aufhorchen. 

Vorstösse im Grossen Rat

Der Grosse Rat wird sich in der Frühjahrs-Session mit Vorstössen befassen, die deswegen eine Überprüfung der dortigen Bewertungen verlangen. Wie eine solche Überprüfung und Korrektur bewerkstelligt werden könnte, ist allerdings im Moment schwierig zu beantworten. Affaire à suivre donc.