• CO2-Gesetz – Die Befürworter unterschlagen das Preisschild!

CO2-Gesetz – Die Befürworter unterschlagen das Preisschild!

14.04.2021

Teures Energiesparen für alle - auch für Mieter

Wahrheit ist ein kostbares Gut. Darum muss man sparsam mit ihr umgehen. Aber beim CO2-Gesetz übertreiben es die Befürworter und erzählen nicht einmal die halbe Wahrheit, wenn sie uns weismachen, das Gesetz schlage bei der Durchschnittsfamilie Schweizer gerade einmal mit 100 Franken im Jahr zu Buche – trotz Ölheizung, Benzinauto und Ferienflug in Europa. Woher diese Zahl stammt, wissen wir nicht. Aber falls sie stimmt, kommt für die Musterfamilie Schweizer frühestens dann ein böses Erwachen, wenn die Ölheizung aussteigt. Dann wird energetisch saniert!

 

Wenn die Familie in eigenen vier Wänden wohnt – was die Hälfte der Paarhaushalte tut –, kann sie mit einer sogenannten «Standardlösung » den finanziellen Super-GAU fürs Erste abwenden. Aber eine Mieterfamilie hat keinen Einfluss darauf, wie umfassend die Sanierung ausfällt. Denn Vermieter rechnen langfristig – Renovationszyklen sind länger als die Lebensdauer einer Ölheizung. Salami-Lösungen sind teuer.

 

Ab 2043: Schluss mit «fossil»!

Gemäss Art. 10 Abs. 1 Bst. a des CO2-Gesetzes verringert sich nämlich der zulässige CO2-Ausstoss pro Quadratmeter Energiebezugsfläche alle 5 Jahre um 5 kg. Und ab 2043 ist dann der zulässige Ausstoss auf Null.

 

Energetische Sanierungen kosten netto Fr. 140.– pro Monat!

Die bei energetischen Sanierungen eingesparten Heizkosten werden durch die resultierende Mietzinserhöhung auch dann deutlich übertroffen, wenn

a. nur der auf die energetische Sanierung entfallende Teil der Mietzinserhöhung berücksichtigt,

b. sämtliche Förderbeiträge gutgeschrieben und

■ c. die eingesparten Energie-Nebenkosten abgezogen werden.

Die Grafik in der BFE-Studie zeigt bei den untersuchten 10 Projekten die resultierende jährliche Netto-Mehrbelastung (graue Säulen) pro Quadratmeter Wohn- bzw. Heizfläche. Beträgt die Fläche einer 4-Zimmer-Wohnung 100 m², resultieren Mehrkosten von durchschnittlich Fr. 1700.– pro Jahr oder Fr. 140.– pro Monat! Bei den beiden Projekten mit den höchsten Mehrbelastungen (Projekte 5 und 6) handelt es sich übrigens ausgerechnet um Liegenschaften im Eigentum der öffentlichen Hand. Beim Projekt 5 bezahlen die Mieter für ihre rund 62 m² grossen 3½-Zimmer-Wohnungen allein aufgrund der energetischen Sanierung rund Fr. 220.– mehr, als sie bei den Heizkosten einsparen – pro Monat! Davon steht nichts in den Verlautbarungen der Energieministerin und derjenigen Wirtschaftsvertreter, die sich neue Aufträge in Milliardenhöhe erhoffen.

 

Der «Faktor Mensch»

 Etwas mehr Glück haben bloss die Bürger, die in Häusern wohnen, die nach 1990 erstellt wurden. Aber Letztere machen bloss 20 % des Gebäudebestands aus. Und selbst bei prämierten Minergie-Bauten sind die effektiven Nebenkosten bisweilen deutlich höher als von den Fachleuten vorausberechnet. Bei der autofreien Vorzeige-Überbauung Burgunderstrasse in Bern betrugen sie gar das Dreifache. Das sei halt der «Faktor Mensch», meinte einer der befragten Experten lakonisch ...

Der grüne Nationalrat Glättli erklärt in einem Interview in der NZZ, es sei «freiheitlicher, fossile Technologie zu verbieten, statt sie extrem zu verteuern.» Bei den Gebäuden tut man nun gleich beides. Ob die Menschen, die wohnen, diesem «doppelt Freiheitlichen» zustimmen werden, wissen wir am Abend des 13. Juni 2021 ...

 

Lesebeispiel: Im Projekt 1 beträgt die Netto-Mietzinserhöhung der energetischen Sanierung Fr. 11.- / m2 und Jahr, d.h. jährlich Fr. 1100.- für eine 100 m2 grosse Wohnung oder Fr. 91.- im Monat. Die Energiekosten sind von monatlich Fr. 120.- auf Fr. 65.- gesunken, was im obigen Betrag bereits berücksichtigt ist. Beim Projekt 5 betrug die Nettomehrbelastung demgegenüber rund Fr. 47.- / m2, was bei einer 100 m2 grossen Wohnung zu fast Fr. 400.- Mietzinserhöhung geführt hätte. Der Durchschnittswert aller 10 Projekte liegt bei rund Fr. 140.- Mehrbelastung pro Monat.