• Bauen ausserhalb der Bauzone - Aufhebung der Blockade

Bauen ausserhalb der Bauzone - Aufhebung der Blockade

21.09.2017    

Der Kanton Bern erhält mehr Spielraum bei Ausnahmebewilligungen für Anpassungen von Gebäuden ausserhalb der Bauzonen, die vor 1972 erstellt wurden. Darauf haben sich Regierungsrat Christoph Neuhaus und das Bundesamt für Raumentwicklung geeinigt. Die neuen Bestimmungen gelten ab sofort für alle Ausnahmegesuche.

Auf Intervention des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) wurde im September 2016 die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) angehalten, die bisher grosszügig ausgelegte Bewilligungspraxis im Bereich 'Bauen ausserhalb der Bauzone' massiv zu verschärfen. Die Verschärfung hatte zur Folge, dass zahlreiche Baugesuche im Berner Oberland gar nicht eingereicht oder nicht bewilligt wurden und betraf insbesondere bestehende, ältere Wohnbauten, die dadurch nicht zeitgemäss umgebaut werden konnten. Grosse Verärgerung und Frustration in Oberländer Gemeinden und deren Bevölkerung waren die Folge.

Unter der Leitung der Volkswirtschaft Berner Oberland wurden anlässlich einer Begehung mit dem Bundesamt für Raumentwicklung, dem Amt für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern, Ständerat Werner Luginbühl und verschiedenen Nationalräten aus dem Berner Oberland konkrete Beispiele vor Ort angeschaut und die Auswirkungen für die Region aufgezeigt. Dadurch konnte viel Verständnis geschaffen werden. 

Am 13. September 2017 fand alsdann im Bundeshaus eine Aussprache zwischen den Berner Oberländer Nationalräten aller Parteien (Christine Häsler, Adrian Amstutz, Albert Rösti, Erich von Siebenthal und Jürg Grossen) sowie Vertreterinnen und Vertretern des ARE und der JGK (Regierungsrat Christoph Neuhaus) statt. Dabei wurde erwirkt, dass ab sofort massvolle Ausbauten unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit – wie es in Artikel 24c des Raumplanungsgesetzes vorgesehen ist –, ermöglicht werden.

Die Anliegen von Gemeinden und Bevölkerung wurden aufgenommen und es werden wieder Bewilligungen für Wohnen ausserhalb der Bauzone möglich. Die aktuelle Bewilligungspraxis innerhalb der geltenden gesetzlichen Regelung wurde massiv verbessert und Klarheit für Gesuchsteller und Gemeinden geschaffen sowie die Blockade für viele Baugesuche aufgehoben.

Künftig sollen zur Erreichung einer zeitgemässen Wohnnutzung Volumenerweiterungen nach aussen möglich sein, sofern das Landschaftsbild und der regionaltypische Charakter einer Liegenschaft nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Damit werden Anpassungen der Raumhöhen in Wohngeschossen auf 2.30 Meter ermöglicht, dies – wo nötig – auch mittels ästhetisch vertretbaren Dachaufbauten. Zudem soll ein Aussensitzplatz oder Balkon pro Wohnung und bei kleinen Häusern eine Flächenerweiterung um maximal 30% bis zu einer Gesamtfläche von maximal 100 m2 erlaubt werden. Ebenfalls sollen Anbauten für umweltfreundliche und energieeffiziente Heizsysteme bewilligt werden können.

Die Festschreibung der Praxis ist in einer neuen Bernischen Weisung erfolgt, welche per sofort in Kraft tritt.  Diese Anpassung ist ein wichtiger Schritt, damit ein massvoller Ausbau von Liegenschaften ausserhalb der Bauzonen wieder möglich wird.

                                                                                                                Christine Egger